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Detailergebnis zu DOK-Nr. 77563

Minderung der indirekten Fallenwirkung für Tiere in Straßenseitenräumen

Autoren A. Schleicher
K. Albrecht
S. Bosert
P. Jocher
J.O. Engler
J.C. Habel
Sachgebiete 5.7 Landschaftsgestaltung, Ökologie, UVP
0.8 Forschung und Entwicklung

Bremen: Fachverlag NW im Carl Schünemann Verlag, 2021, 106 S., 44 B, 30 T, zahlr. Q, Anhang (Forschung Straßenbau und Straßenverkehrstechnik H. 1139). - ISBN 978-3-95606-632-0

Straßenseitenräume stellen einerseits für viele Tierarten wertvolle und gut vernetzte Habitate dar. Andererseits bedingen die Verkehrswege Verluste durch Kollisionen, Schadstoffimmissionen und Lärm. Dabei ist meist unklar, ob positive oder negative Wirkungen überwiegen, und ob sie die gesamte Population beeinflussen können. Überwiegen negative populationsrelevante Wirkungen, könnten im Extremfall Individuen aus verkehrlich unbeeinflussten Habitaten an die Straße gelockt und damit die gesamte Population geschwächt werden. Ziel der Studie war es, die Relevanz einer solchen indirekten Fallenwirkung in Straßenseitenräumen zu untersuchen und gegebenenfalls erforderliche Minimierungsmöglichkeiten abzuleiten. Dazu wurden für die Arten Haselmaus, Mönchsgrasmücke und die Tagfalter Kleines Wiesenvögelchen und Hauhechelbläuling an einer Autobahn beziehungsweise vielbefahrenen Straße über drei Jahre populationsökologische und teilweise genetische Untersuchungen durchgeführt. Für keine der Arten wurde eine indirekte Fallenwirkung in Straßenseitenräumen belegt. Im Hinblick auf die Haselmaus zeigte ein Vergleich der Dichten straßennaher und straßenferner Populationen, dass straßennahe Lebensräume im Vergleich zu straßenfernen höher- oder gleichwertig sein können. Die genetischen Untersuchungen belegten zudem, dass die Haselmauspopulationen in Straßenbegleitgehölzen vital sind und sie als Ausbreitungsachse nutzen. Bei der Mönchsgrasmücke waren die ermittelten Revierdichten und der Bruterfolg von straßennahen Populationen nicht generell geringer als von straßenfernen. Auch für die Tagfalter, speziell den Hauhechelbläuling, konnte gezeigt werden, dass straßennahe Populationen genetisch von den straßenfernen Populationen nicht unterschieden werden können. Trotz verkehrsbedingter Beeinträchtigungen ist es sinnvoll, in Straßenseitenräumen Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt umzusetzen. Dabei spielen vor allem eine hohe Habitateignung, ausreichende Breite sowie eine möglichst gute Vernetzung eine wesentliche Rolle. Gleichwohl können sie aufgrund der vorhandenen Beeinträchtigungen nicht als adäquate Ersatzhabitate für ökologisch hochwertige Lebensräume gesehen werden.