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Detailergebnis zu DOK-Nr. 82401

Rostock auf dem Weg zur „Schwammstadt 2080“

Autoren N. Goldammer
S. Schmeil
Sachgebiete 0.16 Klimaschutz, Nachhaltige Entwicklung, Ressourcenschonung, Lebenszyklusbetrachtung, Ökobilanz
5.3 Stadtverkehr (Allgemeines, Planungsgrundlagen)
5.18 Versorgungsleitungen, Straßenentwässerung

Straßenverkehrstechnik 69 (2025) Nr. 12, S. 797-805, 7 B, 1 T, zahlr. Q

Die Hansestadt Rostock verfolgt seit über einem Jahrzehnt konsequent das Ziel, ihre Stadtentwicklung wassersensibel und klimaresilient zu gestalten. Ausgangspunkt war das Starkregenereignis von 2011, das die Grenzen der bestehenden Entwässerungssysteme aufzeigte. Seither arbeiten Stadtverwaltung, Wasserwirtschaft und Forschung eng zusammen, um die Vision der „Schwammstadt Rostock 2080“ Realität werden zu lassen. Kerninstrument dieser Entwicklung ist der Integrale Entwässerungsleitplan (IELP), der die hydrologischen Zusammenhänge im gesamten Stadtgebiet erfasst und eine abgestimmte Maßnahmenplanung ermöglicht. Unter dem Dach der 2019 gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Kommunale Gemeinschaftsaufgabe Binnenhochwasserschutz“ (KOGA) werden technische, planerische und ökologische Ansätze verknüpft – vom Ausbau der Entwässerungsachsen bis zur Förderung dezentraler Regenwasserbewirtschaftung. Beispiele wie das Neubaugebiet Kiefernweg, die Bestandsentwässerung Markgrafenheide oder die geplante Maßnahme in Hohe Düne zeigen, wie Retentionsräume, Mulden-Rigolen-Systeme und multifunktionale Grünflächen gezielt eingesetzt werden, um Niederschläge vor Ort zu halten, zu versickern oder zeitweise zu speichern. Ergänzend werden smarte Technologien erprobt: Ein digitales Frühwarnsystem auf Basis lokaler Regenradardaten soll künftig eine vorausschauende Steuerung von Kanalnetz und Wehranlagen ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Niederschlagswasser gemäß DWA-A 102. Die Universität Rostock entwickelte hierzu im Auftrag der Nordwasser GmbH ein transparentes Bewertungssystem auf Basis von Geodaten, das künftig bei Genehmigungsverfahren und Investitionsplanungen eingesetzt wird. Mit der in Arbeit befindlichen Leitstrategie „Schwammstadt Rostock 2080“ soll der wassersensible Stadtumbau verbindlich in alle Planungsprozesse integriert werden. Rostock zeigt damit beispielhaft, wie Kommunen durch Kooperation, technische Innovation und strategische Planung die Herausforderungen des Klimawandels aktiv gestalten können.