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Detailergebnis zu DOK-Nr. 82382

Mähen mit Maß – Wie wir Insekten & Co. eine Fahrspur freihalten

Autoren A. Stricker
Sachgebiete 0.3 Tagungen, Ausstellungen
5.7 Landschaftsgestaltung, Ökologie, UVP, Auswirkungen des Klimawandels
16.8 Wartungs- und Pflegedienst

Kolloquium Straßenbetrieb 2025, 23./24. September 2025, Karlsruhe. Köln: FGSV Verlag, 2025, USB-Stick (Hrsg.: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen) (FGSV 002/144), 9 S., 6 B, 8 Q

Vor dem Hintergrund des Landtagsbeschlusses „den Insektenschwund genauer zu erforschen, die Bevölkerung zu sensibilisieren und geeignete Maßnahmen zu ergreifen“ vom 11. Juli 2018 hat der Landesbetrieb Straßenbau NRW ein Pilotprojekt zur Erprobung einer Umstellung der Grünpflege ins Leben gerufen. Hauptziel des Pilotprojekts ist es, das Potenzial der Rasenflächen, die im Extensivbereich liegen, für den Biodiversitätsschutz zu erschließen und die Auswirkungen unterschiedlicher Pflegevarianten mit Blick auf die Biodiversität und den Straßenbetriebsdienst zu evaluieren. Für das Pilotprojekt werden Gefäßpflanzen, Heuschrecken und Tagfalter aufgenommen. Hierfür wurden 24 Probeflächen im Ostmünsterland mit einer Fläche von jeweils 1 000 m2 ausgewählt. Auf eine Hälfte der Flächen wurde standortgerechtes Regiosaatgut ausgebracht, auf den verbliebenen zwölf Flächen blieb die Vegetation unbeeinflusst. Innerhalb dieser beiden Flächentypen wurden in zufälliger Reihenfolge jeweils vier Untersuchungsblöcke à drei Pflegevarianten angelegt, welche einmalige Mahd mit Mulchen sowie einmalige Mahd und zweimalige Mahd jeweils mit Abräumen des Mahdguts beinhalten. Die in dem Pilotprojekt untersuchte Gerätekombination besteht aus einem insektenschonenden Mahdkopf, einer Absaugvorrichtung und dem Mähgutanhänger. Es erlaubt das Mähen der Fläche und das Absaugen des Schnittguts in einem Arbeitsschritt. In den untersuchten Straßenseitenflächen konnten sowohl im Ist-Zustand als auch nach Beginn der Maßnahmen regelmäßig gefährdete Arten nachgewiesen werden. In der Zeit nach der Ausbringung von standortgerechtem Regiosaatgut konnten bereits positive Auswirkungen festgestellt werden. Demnach wiesen die Regiosaatgutflächen eine signifikant höhere Pflanzenartenvielfalt auf als die Bestandsflächen, in denen keine Einsaat stattfand. Der erhöhte Aufwand der ökologischen Mähvarianten lässt tendenziell bereits erhöhte Kosten des Gespanns und eine erhöhte Mahddauer erwarten. Weiterhin fallen Kosten für die Abfuhr und die Verwertung des Mähguts ins Gewicht. Insektenfreundlicher Straßenseitenraum heißt also nicht die Umstellung des gesamten Fuhrparks auf „Insektenfreundliches“ Mähgerät von jetzt auf gleich, sondern vielmehr eine schrittweise Annäherung in die richtige Richtung. Denn es gibt auch den vielerorts angewandten großflächigen Mulchen und der Umstellung des Fuhrparks auf insektenfreundliche Mähgeräte ein breites Repertoire an Möglichkeiten, die bereits jetzt schon umgesetzt werden können.