Detailergebnis zu DOK-Nr. 82729
Baustoffe bewegen Deutschland - Strukturen der Steine-Erden-Logistik und Herausforderungen für die Verkehrsinfrastruktur (Gutachten)
| Autoren |
T. Puls T. Schaefer |
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| Sachgebiete |
5.21 Straßengüterverkehr 4.0 Allgemeines |
Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2025, 65 S., zahlr. B, T, Q. - Online unter: www.iwkoeln.de
Der Transport von Steinen, Erden und Baustoffen sorgt für einen erheblichen Teil des Güterverkehrsaufkommens. So ist „Naturstein, Sand, Kies“ die einzige in der Transportstatistik hinterlegte Gütergruppe, die bei Bahn, Binnenschiff und Lkw zu den fünf aufkommensstärksten Gruppen gehört. Allein ihre auf deutschen Lkw transportierte Tonnage entsprach im Jahr 2022 in etwa dem 1,5-fachen des kombinierten Transportaufkommens von Bahn und Binnenschiff. Bauaffine Güter machten bis zu 48 Prozent der von deutschen Lkw bewegten Tonnage aus. Durch das engmaschige Netz von Rohstoffgewinnungsstätten in Deutschland, gerade bei Massengütern wie Kies und Sand, besteht bislang eine verbrauchsnahe Rohstoffgewinnung, was bei diesen Gütern zu geringen durchschnittlichen Transportweiten führt. Nur knapp 2 Prozent der Fahrten deutscher Lkw mit bauaffinen Gütern sind länger als 150 Kilometer. Wegen der kleinteiligen räumlichen Verteilung von Anbietern und Nachfragern ist die Baustoffindustrie in der Logistik vor allem auf den Lkw angewiesen. Doch auch Bahn und Binnenschiff sind bei langlaufenden Transporten von Bedeutung. Bei Langstreckentransporten von Massengütern mit hohem spezifischem Gewicht zeigen sich die systemischen Vorteile von Bahn und Binnenschiff. Das ist gerade bei jenen Produkten der Baustoffbranche der Fall, die einen industriellen Vorleistungscharakter haben, wie etwa Kalk, Zementklinker oder Spezialton. Im Rahmen der Studie wurde herausgearbeitet, dass die Baustoff-Steine-Erden-Industrie als tonnagebezogen größter Verlader in Deutschland in besonderem Maß von der flächendeckenden Verfügbarkeit adäquater Verkehrsinfrastruktur abhängt. Ihr Haupttransportmittel ist dabei der Lkw, wobei auch die nachgeordneten Straßennetze eine hohe Bedeutung haben, da die Produkte der Branche flächendeckend benötigt werden. Aber auch Bahn und Binnenschiff spielen im Logistikkomplex der Baustoff-Steine-Erden-Industrie partiell eine bedeutende Rolle. Diese Verkehre finden zumeist innerhalb der Branche oder beim Austausch mit anderen Industrien statt. An dieser grundsätzlichen Struktur der Transporte wird sich voraussichtlich auch in Zukunft nichts ändern. Ein Verlagerungspotenzial ist aufgrund der vorherrschenden sehr kurzen und kleinteiligen Transportvorgänge nicht auszumachen. Daraus folgt, dass die Dekarbonisierung dieses erheblichen Teils des Lkw-Verkehrs in Deutschland nur über eine Defossilisierung der Lkw erfolgen kann.