Detailergebnis zu DOK-Nr. 83024
Der Einsturz der Carolabrücke zeigt die Notwendigkeit, aktuelle Regeln kritisch zu hinterfragen und anzupassen: Warum brach die Brücke ohne erkennbare Versagensvorankündigung ein, obwohl sie nach den anerkannten Regeln der Technik überwacht wurde?
| Autoren |
G. Schacht S. Marx S. Scheerer M. Fiedler R. Ritter L. Clages C. Voigt D. Czeschka G. Ebell G. Marzahn |
|---|---|
| Sachgebiete |
15.0 Allgemeines, Erhaltung |
Der Prüfingenieur (2026) Nr. 68, S. 42-51, 13 B, 20 Q
Am 11. September 2024 ereignete sich - ohne erkennbare Vorankündigung - der Teileinsturz der vorgespannten Carolabrücke in Dresden. Er kann mit hoher Gewissheit auf ein Versagen des großen Kragarms über einem der Pfeiler zurückgeführt werden. Die Ingenieurwissenschaftler, die mit der Eruierung und Definition der Ursachen dieses Unglücks betraut worden waren, haben nach umfangreichen Inspektionen eine wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion als Hauptschadensursache feststellen können. Im folgenden Beitrag erläutern sie die Konstruktion und den Bau der Brücke, die Maßnahmen für ihre Instandhaltung und Sanierung sowie das Problem der Spannungsrisskorrosion (SpRK). Dabei beschreiben sie auch ihre ausführlichen Untersuchungen zur Erkundung der Einsturzursache, erläutern den Versuch der Rekonstruktion des Einsturzvorgangs und legen erste Erkenntnisse über den weiteren Umgang mit anderen Brücken dar, die SpRK-gefährdeten Stahl enthalten. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Brücke entsprechend den anerkannten Regeln der Technik geprüft und überwacht worden ist, und dennoch eine Versagensvorankündigung nicht stattgefunden hat beziehungsweise erkannt werden konnte. Weitere Schadensfälle wie die Brücke über die B 2 bei Leipzig, die Damaschkebrücke in Magdeburg, die Ringbahnbrücke der A 100 in Berlin oder die Brücke im Zuge der B 101 bei Großenhain wurden erst erkannt, weil es einen Anlass für eine gezielte Überprüfung gab. Folglich ergibt sich die Notwendigkeit, die aktuellen Regeln kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.