Detailergebnis zu DOK-Nr. 83026
Bewertung des Zustandes von Spanngliedern der Korrosionsschutz-Kat. b und c (Forschungsprojekt BGT_20_06B_02)
| Autoren |
Y. Schiegg B. Mühlan N. Macchi D. Algernon A. Muller L. Rössler M. Suess C. Sulis C. Thurnherr |
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| Sachgebiete |
15.0 Allgemeines, Erhaltung 15.1 Belastungen und Belastungsannahmen |
Zürich: Schweizerischer Verband der Straßen- und Verkehrsfachleute (VSS), 2026, 143 S., zahlr. B, T, Q, Anhang (Bundesamt für Straßen (Bern), H. 1821). - Online unter: https://myvss.mobilityplatform.ch//vss/account/publication/9111/webviewer/
Spannglieder bilden ein tragendes Element zahlreicher Ingenieurbauwerke – insbesondere von Brücken und Kunstbauten. Ihre Dauerhaftigkeit und Funktionstüchtigkeit sind entscheidend für die Gebrauchstauglichkeit und Sicherheit dieser Bauwerke. Seit den frühen 1990er-Jahren werden in der Schweiz vermehrt Spannsysteme der Korrosionsschutzkategorien b und c eingesetzt. Im Unterschied zur klassischen Kategorie a mit Stahlblechhüllrohren verwenden diese Systeme Kunststoffhüllrohre (PE oder PP), die einen verbesserten Korrosionsschutz durch das Material selbst (Typ b und c) sowie eine elektrische Isolation (Typ c) bieten. Dadurch gelten sie als dauerhaftere und qualitativ hochwertigere Lösung. In den vergangenen Jahrzehnten wurden national und international mehrere Schadensfälle dokumentiert, die auf unvollständige oder fehlerhafte Injektion der Spannglieder zurückzuführen sind. Bekannte Beispiele in der Schweiz sind der Bruch eines Schrägseils am Birskopfsteg in Basel (2007) sowie die schwerwiegenden Korrosionsschäden an der Ponte Moesa in Roveredo. Beide Fälle belegen, dass bei unvollständiger Verfüllung oder Segregation des Füllgutes Korrosionsprozesse am hochfesten Spannstahl erstaunlich schnell einsetzen können – mit potenziell katastrophalen Folgen für die Tragsicherheit. Trotz dieser Risiken sind bis heute keine zerstörungsfreien Prüfmethoden bekannt, die den Injektionszustand von Kunststoffhüllrohren zuverlässig beurteilen können. Diese Lücke stellt eine erhebliche Herausforderung für die Instandhaltung und Zustandsbeurteilung bestehender Kunstbauten dar. Das vorliegende Forschungsprojekt verfolgte in diesem Kontext drei übergeordnete Ziele: Erstens die Gewinnung eines Überblicks über die in der Schweiz verbauten Spannglieder der Kategorien b und c (Bestandsaufnahme, Bauwerksregister). Zweitens die Bewertung geeigneter zerstörungsfreier Prüfverfahren (ZfP) zur Detektion von Fehlstellen und Injektionsmängeln. Drittens die Beurteilung des tatsächlichen Zustandes von Spanngliedern anhand von Labor- und Felduntersuchungen an repräsentativen Schweizer Bauwerken. Als wichtige Folgerung für die Bau- und Planungspraxis wird eine "prüfgerechte Bauweise" empfohlen: Potenziell kritische Bereiche von Spannkanälen (Hochpunkte, Verankerungszonen) sollten so konzipiert werden, dass sie für ZfP-Techniken optimal zugänglich bleiben. Übereinander angeordnete Spannkanäle in Wanddickenrichtung erschweren die Prüfung erheblich und sollten vermieden werden. Der Einbau dauerhafter Sensorik zur kontinuierlichen Überwachung ist ergänzend in Betracht zu ziehen.