Detailergebnis zu DOK-Nr. 83119
Systemversagen beim hochautomatisierten Fahren: Eine Feldstudie zu Vertrauen, Beanspruchung und Übernahmeleistung
| Autoren |
J. Dienel M.L. Exenberger J.R. Helmert S. Pannasch T. Wagner |
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| Sachgebiete |
6.1 Verkehrserhebungen, Verkehrsmessungen 6.3 Verkehrssicherheit (Unfälle) 6.7.3 Automatisiertes und Autonomes Fahren |
Zeitschrift für Verkehrssicherheit 72 (2026) Nr. 3, S. 163-177, 5 B, 3 T, zahlr. Q
Hochautomatisierte Fahrzeuge (SAE-Level 3) verändern die Rolle des Fahrenden, indem zeitweise die vollständige Abgabe der Fahraufgabe an das Fahrzeug ermöglicht wird. Fahrerin und Fahrer dürfen sich erstmals fahrfremden Nebentätigkeiten widmen, müssen aber dennoch ständig aufmerksam und übernahmebereit sein, um bei einer Übernahmeaufforderung oder Erkennen offensichtlicher Umstände, die eine Übernahme erfordern, die Fahrzeugführung zu übernehmen. Bisherige Daten zeigen, dass eine fehlerfreie Systemzuverlässigkeit unter allen Umständen nicht gewährleistet werden kann. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, welche Auswirkungen ein fehlerhaftes Automatisierungssystem in Form von nicht bestimmungsgemäßen Übernahmeaufforderungen und stillen Fehlern auf die Fahrenden hat. Hierfür nahmen 53 Personen an einer Versuchsfahrt in einem vermeintlich hochautomatisierten Fahrzeug auf einer standardisierten Teststrecke (DEKRA Lausitzring) teil, bei welcher sie einer Nebenbeschäftigung nachgingen. Die Teilnehmenden erlebten zwei Situationen, die eine möglichst schnelle manuelle Übernahme erforderten. Durch eine randomisierte Zuteilung erlebten die Probanden zuerst entweder eine begründete Übernahmeaufforderung oder einen falschen Alarm. In der zweiten Situation erfuhren alle Teilnehmenden einen stillen Fehler, bei dem das Fahrzeug ohne vorherige Warnung langsam auf die Gegenfahrbahn steuerte. Gemessen wurden die Dauer und Frequenz der Überwachung des Fahrgeschehens als Indikator für das Vertrauen in Automation, die Herzratenvariabilität (HRV) als Maß für die Beanspruchung sowie die Übernahmeleistung und Selbstberichte zu Vertrauen und Beanspruchung. Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Zunahme der Überwachungsdauer des Fahrgeschehens als Folge der Übernahmesituationen. In Abhängigkeit von der Art der erlebten Übernahmeaufforderung zeigten sich keine signifikanten Gruppenunterschiede in Bezug auf Vertrauens- und Beanspruchungsmaße sowie der Übernahmeleistung. Die Übernahme der Fahrzeugsteuerung bei ausbleibender Übernahmewarnung erwies sich für beide Gruppen als besonders herausfordernd und zeigte sich in einer schlechten Übernahmeleistung.