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Detailergebnis zu DOK-Nr. 82459

Fluch oder Segen? Die gebundene Pflasterdecke

Autoren A. Böttner
Sachgebiete 11.4 Pflaster- und Plattenbefestigungen

Straße und Autobahn 76 (2025) Nr. 11, S. 823-827, 5 B, 2 Q

Im Rahmen von städtebaulichen Umgestaltungen in Innenstädten, verbunden mit dem Wunsch nach einem hohen Gestaltungsanspruch, werden im kommunalen Bereich oft (Straßen-)Planungen erstellt, welche Pflasterdecken und Pflasterbauweisen in gebundener und ungebundener Form vorsehen. Um die Dauerhaftigkeit dieser Befestigungen von Verkehrsflächen zu gewährleisten, ist ein hohes Maß an Qualität bei der Planung, der Ausführung und der Erhaltung anzulegen. Bereits bei der Planung und Vorbereitung der Ausschreibung wird der Grundstein für die spätere Nutzungsdauer gelegt. Eine sorgfältige Materialauswahl von Pflaster, Bettungs- und Fugenmörtel sowie die detaillierte Vorgabe von Ausführungsbedingungen leisten einen erheblichen Beitrag zu einem dauerhaften und nutzungsorientierten Ergebnis. Entsprechend des FGSV-Merkblattes für Flächenbefestigungen mit Pflasterdecken und Plattenbelägen in gebundener Ausführung M FPgeb (FGSV 618/2) „müssen Planer, Ausschreibende und Ausführende die nötige Fachkunde und ausreichende Erfahrungen“ mitbringen. Insbesondere für kleinere Kommunen mit wenig spezialisierten Fachbereichen und hohem Aufgabenumfang stellen Straßenbauprojekte mit einer gebundenen Pflaster- und Plattenbauweise als Oberflächenbefestigung mitunter eine Herausforderung dar. Gerade in kleineren Verwaltungen fehlt oft die Erfahrung, da solche Maßnahmen nur sehr selten durchgeführt werden. Umso wichtiger ist neben einer fachlichen Unterstützung die Vorbereitung der Ausschreibung. Im Jahr 2004 beschloss die Stadt Worms, das Spiel- und Festhaus zu sanieren und ein direkt anschließendes Kultur- und Tagungszentrum zu errichten. In diesem Zuge sollten auch der Vorplatz und die angrenzende Rathenaustraße ausgebaut werden. Es wurde eine Oberflächenbefestigung in gebundener Bauweise aus Basaltstein, im Römischen Verband verlegt, hergestellt. Sowohl die Lieferung des Materials aus Vietnam als auch die Umsetzung der Maßnahme stellten die Bauverwaltung der Stadt Worms vor große Herausforderungen. Probleme bei der Herstellung des Pflasters führten zu einer Dienstreise nach Vietnam, bei der neue Wege gegangen und der Lieferant des Basaltmaterials ausgetauscht werden musste. Letzten Endes führten Beharrlichkeit und eine intensive Vorbereitung der Baumaßnahme und die strukturierte Auseinandersetzung mit der gebundenen Bauweise zu einer dauerhaften und unterhaltungsarmen Oberflächenbefestigung auf dem Vorplatz des Wormser Kultur- und Tagungszentrums sowie in der Rathenaustraße. Insbesondere die strenge Einhaltung der vorgegebenen Parameter sowie eine gewissenhafte Umsetzung durch gut ausgebildete Fachkräfte führten zu sehr guten Ergebnissen. Im Sommer 2024 wurde erstmalig ein Ausbrechen der Fugenfüllung in der Pflasterbefestigung beobachtet. Laboruntersuchungen ergaben eine teilweise unzureichende Haftzugfestigkeit zwischen Fugenmörtel und Plattenbelag.