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Minimierung der Zerschneidungseffekte durch Straßenbauten am Beispiel von Fließgewässerquerungen bzw. Brückenöffnungen
2.158
IDN 706315
Forschungsstelle Universität Bonn, Institut für Angewandte Zoologie (Prof. Dr. G. Kneitz)
Bearbeiter Kneitz, G.
Oerter, K.
Zumhowski-Xylander, H.
Auftraggeber Bundesministerium für Verkehr, Bonn
Stand Abschluss: Juli 1997

Uneingeschränkte Wandermöglichkeiten und eigenständiger Individuenaustausch sind für den Fortbestand lokaler Tierbestände von existentieller Bedeutung. Am Schnittpunkt von Straße und Fließgewässer besteht eine besondere Situation, da Fließgewässer und ihre begleitenden Vegetationsstrukturen für viele Tiere als Leitlinie und Wanderkorridor fungieren. Es wurde untersucht, unter welchen Bedingungen Tiere Fließgewässerquerungen als Biotopverbindung annehmen, bzw. durch welche Maßnahmen die Akzeptanz gefördert werden kann. Die Untersuchungen erfolgten in den Jahren 1995 und 1996 an insgesamt 20 Fließgewässerquerungen. Bei der Auswahl der einzelnen Brücken wurden unterschiedliche Dimensionen, Konstruktionen und Ausstattungen (Untergrund, Vegetation, Wasserbau) berücksichtigt. Für die Analysen wurden verschiedene Insektengruppen, Säuger, Vögel und die Artengemeinschaft des Gewässergrundes herangezogen. Insgesamt hat sich Folgendes ergeben: Aufgrund ihres geringen Ausbreitungsvermögens ist für bodengebundene Insekten eine Biotopverbindung nur mittels eines durchgängigen Pflanzenbewuchses zu gewährleisten. Bei Fluginsekten (Libellen, Köcher-, Stein- und Eintagsfliegen) und Vögeln wurde ein mehr oder weniger ausgeprägtes Meidungsverhalten beobachtet. In artspezifischer Intensität werden die Brückenräume von Kleinsäugern als Biotopverbindung genutzt. Auch für das Wild ist - mit Ausnahme enger "Kastendurchlässe" - von einer prinzipiellen Durchlässigkeit der untersuchten Fließgewässerquerungen auszugehen. Bei einer nach ökologischen Gesichtspunkten ausgerichteten baulichen Gestaltung kann die Nutzung der Fließgewässerquerungen als Aufenthaltsstätte oder Wanderweg für Tiere deutlich optimiert werden. Grundsätzlich anzustreben sind genügend große und damit lichte Bauwerke, die eine Fortführung der umgebenden Vegetationsstrukturen im aquatischen, amphibischen und terrestrischen Bereich ermöglichen. Weitere Voraussetzungen für einen durchgehenden Pflanzenbewuchs sind eine natürliche Bodenbeschaffenheit, ausreichende Belichtung und im terrestrischen Bereich eine Bewässerung der überbrückten Flächen. Es werden praxisrelevanten Empfehlungen gegeben.

Veröffentlichung Kneitz, G., Oerter, K.: Minimierung der Zerschneidungseffekte durch Straßenbauten am Beispiel von Fließgewässerquerungen bzw. Brückenöffnungen. Forschung Straßenbau und Straßenverkehrstechnik ( BMV, Bonn) H. 755, 1997, 292 S.