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0512 131
Analyse des Überholdrucks - zur Sicherheitsbewertung von Landstraßen
2.148
IDN 706127
Forschungsstelle Heusch/Boesefeldt GmbH, Aachen
Bearbeiter Laffont, S.
Schmidt, G.
Auftraggeber Bundesministerium für Verkehr, Bonn
Stand Abschluss: März 1994

Zur Analyse des Einflusses baulicher und verkehrlicher Randbedingungen auf das Überholverhalten und speziell auf den Überholdruck wurden an drei einbahnig zweistreifigen Außerortsstraßen unterschiedlicher Fahrstreifenbreite Reisezeitmessungen mittels Videoerhebungen, lokale Verkehrsstärke- und Geschwindigkeitsmessungen sowie Unfalluntersuchungen durchgeführt. Im Hinblick auf das Überholunfallgeschehen sollte insbesondere der Einfluß der Fahrbahnbreite auf die Verkehrssicherheit untersucht werden,um daraus Hinweise für den Landstraßenentwurf abzuleiten. Die Messungen fanden an drei rd. 2 km langen Außerortsstraßen mit Fahrstreifenbreiten von 3,75 m, 3, 50 m und 3,25 m (Querschnittsgruppen b2, c2 und d2 nach RAS-Q 1982) mit einer vergleichbaren Streckencharakteristik statt. Tendenziell wurden die höchsten Überholraten auf dem breiten Querschnitt ermittelt, eine signifikante Abhängigkeit der Überholhäufigkeit von der Fahrbahnbreite konnte jedoch nicht festgestellt werden. Zur quantitativen Beschreibung des Überholdrucks wurde die Kenngröße "relativer Überholdruck" als Differenz der Pulkanteile, d.h. der Anteile der in einem Pulk fahrenden Fahrzeuge am Gesamtverkehr, von Einfahr- und Ausfahrquerschnitt definiert. Eine Analyse des Pulkverhaltens ergab eine leichte Zunahme von Pulkfahrzeugen am Ende der Meßstrecken gegenüber dem Einfahrquerschnitt, d.h. für alle drei Untersuchungsstrecken eine Erhöhung des relativen Überholdrucks. Aus diesem Ergebnis wurde deutlich, daß auf allen gemessenen Strecken ein ziemlich gleichbleibender bzw. sogar geringfügig ansteigender Überholdruck herrschte, der auch bei den dort guten Überholmöglichkeiten nicht abgebaut wurde. Die Unfallanalyse lieferte sowohl für Überholunfälle als auch für alle übrigen Unfallarten etwas geringere Unfallraten und Unfallkostenraten für den breiten Querschnitt b2. Die schmaleren Strecken der Querschnittsgruppen c2 und d2 besaßen vor allem ein deutlich höheres Überholunfallrisiko,also eine höhere Wahrscheinlichkeit eines Unfalls je Überholung. Für den Entwurf und die Querschnittsgestaltungvon Neubaustrecken wird empfohlen, auf höher belasteten Streckenabschnitten den breiten Querschnitt b2 auszuwählen und dort möglichst große Überholsichtweiten für ausreichende Überholmöglichkeiten zu gewährleisten. Überholvorgänge auf schmaleren Querschnitten sollten nur bei ausreichenden Überholsichtweiten zugelassen werden. Dazu wären Abschnitte mit ungenügender Sichtweite mit Hilfe von Sperrlinien und/oder einer entsprechenden Beschilderung als Überholverbotszonen zu kennzeichnen. Ferner sollten die nach RAS-L 1984 für Überholvorgänge festgelegten erforderlichen Überholsichtweiten für schmalere Außerortsstraßen heraufgesetzt werden.

Veröffentlichung